Kabelzug oder Latzugturm: was zu Hause wirklich funktioniert

Latzugturm mit eigenem Rahmen und Gewichtsblock links, Kabelzug an einer Wandbefestigung rechts, in einem Wohnraum
Latzugturm mit eigenem Rahmen und Gewichtsblock links, Kabelzug an einer Wandbefestigung rechts, in einem Wohnraum

Auf einen Blick

Für Latzug und Rudern zu Hause gibt es zwei Wege, und sie haben unterschiedliche Voraussetzungen:

  • Der Latzugturm bringt seinen eigenen Rahmen mit. Er braucht Stellfläche, funktioniert dafür ohne Vorbedingungen.
  • Das Kabelzug-System ist nur die Umlenkrolle mit Seil und Griffen. Es ist günstiger und kleiner, setzt aber einen tragfähigen Aufhängungspunkt voraus, den Sie schon haben müssen.

Die Frage ist also weniger „welches ist besser“ als „habe ich, woran das eine hängt“.

Der Unterschied in einem Satz

Ein Latzugturm ist ein Gerät. Ein Kabelzug-System ist ein Aufsatz.

Beide erzeugen denselben Bewegungsablauf: Zug von oben für den Latissimus und den Trizeps, Zug von unten für Rudern und Bizeps. Der Unterschied liegt darin, woran die Kraft am Ende hängt. Beim Turm ist das der eigene Rahmen, beim Kabelzug etwas, das in Ihrer Wohnung schon vorhanden ist.

Kabelzug: der Aufhängungspunkt entscheidet alles

Sicher befestigte Kabelzugrolle an einer stabilen Stahlkonstruktion

Das ist der Punkt, an dem die meisten Produktbeschreibungen schweigen, und er ist der wichtigste.

Beim P204 Kabelzug-System liegt die Belastbarkeit bei 100 kg. Der Aufhängungspunkt muss dafür mindestens 150 kg tragen, weil man beim Ziehen nicht statisch zieht: Jeder Antritt und jedes Abbremsen erzeugt kurzzeitig mehr Last als das reine Scheibengewicht.

Was das praktisch bedeutet:

  • Eine eingeklemmte Türreck-Stange reicht in der Regel nicht. Diese Stangen halten sich über Druck im Rahmen und sind für senkrechten Zug nach unten gedacht, nicht für die schrägen Kräfte eines Seilzugs.
  • Eine feste Klimmzugstation ist der übliche Fall. Wenn Sie ohnehin eine Klimmzug- und Dip-Station haben oder anschaffen, ist das der naheliegende Aufhängungspunkt.
  • Decke und Wand sind eine Frage des Untergrunds. In eine Betondecke lässt sich mit passenden Dübeln sicher verankern; bei Rigips, Hohlblock oder unklarem Aufbau gehört das nicht in Eigenregie entschieden.

Wenn keiner dieser Punkte zutrifft, ist der Kabelzug nicht die günstigere Lösung, sondern gar keine.

Latzugturm: Platz und Scheiben

Latzugtraining an einem freistehenden Latzugturm im Home Gym

Der P203 Latzugturm braucht diese Vorüberlegung nicht, dafür zwei andere.

Erstens der Platz. Nicht nur die Grundfläche des Rahmens, sondern auch der Raum davor: Beim Rudern von unten ziehen Sie im Sitzen, beim Latzug brauchen Sie Kopffreiheit. Messen Sie beides, bevor Sie bestellen.

Zweitens die Hantelscheiben. Türme dieser Bauart arbeiten nicht mit einem Steckgewichtsblock, sondern mit Ihren eigenen Scheiben. Der P203 nimmt sowohl Standardscheiben mit 25 oder 30 mm Bohrung als auch Olympia-Scheiben mit 50 mm auf. Falls Sie noch keine haben oder unsicher sind, welche Sie besitzen: Der Unterschied zwischen den Systemen steht im Vergleich der Hantelscheiben.

Was mit beiden geht, und was nicht

Beide Varianten decken die Zugbewegungen ab, die zu Hause sonst schwer zu ersetzen sind: Latzug, Rudern am Kabel, Trizepsdrücken, Bizepscurls am Seil.

Was sie nicht ersetzen: das Drücken. Bankdrücken, Schulterdrücken und alles, was nach oben oder nach vorn geht, braucht Hanteln und eine Bank. Ein Zuggerät ist eine Ergänzung zur Hantelausstattung, kein Ersatz für sie.

Selbst bauen: was dabei meist unterschätzt wird

Die Suche nach Eigenbaulösungen ist verbreitet, und im Prinzip ist ein Flaschenzug einfache Mechanik. Drei Dinge werden dabei regelmäßig zu leicht genommen:

  • Die Umlenkrolle. Baumarktrollen sind für langsame, statische Lasten gedacht. Unter wechselnder Zugbelastung laufen sie rau, und ein rauer Lauf überträgt sich direkt in die Bewegung.
  • Das Seil. Entscheidend ist nicht nur die Bruchlast, sondern die Dehnung. Ein Seil, das nachgibt, macht den Widerstand am Anfang der Bewegung weich und am Ende hart.
  • Der Aufhängungspunkt. Dieselbe Frage wie oben, nur ohne Herstellerangabe, an der man sich orientieren kann.

Das spricht nicht gegen Eigenbau. Es heißt nur: Die Ersparnis liegt beim Rahmen, nicht bei Rolle, Seil und Verankerung, und genau diese drei entscheiden, ob es sich gut anfühlt und sicher ist.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kabelzugstation und Latzugstation? Die Begriffe werden durcheinander verwendet. Gemeint ist meist dasselbe Prinzip: ein Seil über eine Umlenkrolle. Der Unterschied im Angebot liegt darin, ob ein eigener Rahmen dabei ist oder nicht.

Kann ich den Kabelzug an einer Türreckstange befestigen? Davon raten wir ab. Klemmstangen sind für senkrechten Zug ausgelegt, ein Seilzug wirkt schräg.

Welche Hantelscheiben brauche ich für den Turm? Der P203 nimmt 25/30 mm und 50 mm auf. Prüfen Sie die Bohrung Ihrer vorhandenen Scheiben, bevor Sie nachkaufen.

Reicht ein Kabelzug statt Hanteln? Nein. Er deckt die Zugbewegungen ab, nicht das Drücken.

Wie viel Gewicht brauche ich am Anfang? Beim Latzug arbeitet ein großer Muskel, entsprechend ist das Gewicht meist höher als bei Curls. Fangen Sie niedrig an und steigern Sie, wenn die letzten Wiederholungen sauber bleiben.

Fazit

Die Entscheidung fällt nicht am Preis, sondern an einer Vorfrage: Haben Sie einen Punkt, der sicher 150 kg trägt? Wenn ja, ist das Kabelzug-System die platzsparende und günstige Lösung. Wenn nein, ist der Latzugturm nicht die teurere Variante, sondern die einzige, die ohne Umbau funktioniert. Beide stehen in der Kraftstation-Übersicht.

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